Die Hauptpersonen
    Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski

    Professor an der Freien Universität Berlin.

    Die Reise, die hinter "Wir in Indien" steht, war sein erster Besuch auf dem indischen Subkontinent. Er studierte u.a. in den USA und ist heute oft beruflich in San Francisco. Seinen amerikanischen Akzent verstehen die Inder komischerweise wesentlich besser als den britischen.

    Raja Kumaran Sethupathy, König von Ramnad

    Durch den frühen Tod seines Vaters wurde er schon als Kind zum König und genießt seitdem Halbgottstatus.
    Aufgewachsen in Madras und Bangalore kam er mit 20 Jahren zum bis dahin leerstehenden Palast nach Ramanathapuram, den er seitdem Schritt für Schritt renovieren lässt.

    In seiner Funktion als König ist er u.a. Vorsitzender des Sri Ramanatha Swamy Temple in Rameshwaram, einer der berühmtesten Pilgerstätten für Hindus.
    Außerdem gehören ihm weite Teile des Bundeslandes und sogar einige Stadteile in Madras, die er aber als Grundstücke für Krankenhäuser und Schulen gespendet hat.

    Rani Lakshmi K. Sethupathy, Königin von Ramnad

    Geboren als Tochter eines angesehenen Anwalts und Member of Parliament wuchs sie als "Normalsterbliche" in Madras auf. Nach dem College (ihr Hauptfach war "Textilwissenschaften"), wurde sie - wie üblich - verheiratet.

    Dass der König sie aus einem Haufen Bewerberinnen ausgewählt hat, macht sie sehr stolz. Sie zog mit ihm in den Palast, wurde Halbgöttin und beschloss, eine Schule zu gründen.
    Drei Jahre später feierte die "Mannar Sethupathy Matriculation School" zum ersten mal Einschulung.

    Philip Radlanski

    Weil er nicht gleich nach dem Abitur an der Uni weiterlernen wollte, beschloss er, als Freiwilliger soziale Arbeit in Indien zu verrichten. (mehr dazu unter "Vorgeschichte")

    Durch Zufall wurde er als Lehrer an der "Mannar Sethupathy Matriculation School" eingeteilt - und durfte bei seinen Gasteltern, dem Königspaar, im Palast wohnen!

    Wieder zurück in Berlin beschloss er, knapp ein Jahr später nochmal mit seinem Vater den Palast zu besuchen. Diesmal nahm er seine Videokamera mit - die Grundlage für "Wir in Indien".

Die Vorgeschichte
    Es braucht schon ein gehöriges Maß an Glück, gerade an den Palast nach Süd-Indien zu geraten. Philip Radlanski hatte es.
    Die Geschichte, die vor dem zweiten Besuch und somit vor dem Film steht, ist gleichermaßen schnell erzählt wie unglaublich.

    Nach dem Abitur gleich weiterlernen an der Uni? Das konnte sich Philip nicht vorstellen, zumal er bis dato noch nie Europa verlassen hatte. Die Chance, die Welt zu sehen (oder wenigstens einen Teil davon) hat man so unbeschwert nur zwischen Schule und Beruf.
    Nach Indien sollte es gehen, das war recht schnell klar. Außerdem wollte er nicht nur durchs Land reisen und schöne Fotos knipsen, sondern sich auch sozial betätigen. Ein organisatorisch kaum zu bewältigender Aufwand.

    Zum Glück gibt es Organisationen wie "one world working" (www.owowo.de), die sich genau auf diese Art von Freiwilligenarbeit und Praktika im Ausland spezialisiert haben. Die Liste der Zielländer ist lang, genauso wie die der verschiedenen Praktika und Arbeiten, zwischen denen man wählen kann.

    Philip hielt in der Schule schon gerne Referate und entschied sich dafür, Englisch zu unterrichten. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick vielleicht etwas gewagt klingt: Ohne Muttersprachler zu sein in einer ehemals britischen Kolonie die zweite Amtssprache unterrichten zu wollen. Allerdings muss man bedenken, dass deutsche Schüler, die englisch in der Schule lernen, schon durch den Unterricht einige didaktische Kniffe und Lernschemata mitkriegen, die Engländer sich natürlich sparen können aber deswegen auch nicht kennengelernt haben.

    Ende August 2004 war es dann soweit: Die Sachen waren gepackt, die von "one world working" bereitgestellte Begleitliteratur aufmerksam studiert, ein gültiges Visum im Pass, und Philip landete in Madras.
    Dort wurde er von einem indischen Mitarbeiter der Organisation abgeholt und nach einer Übernachtung im Hotel zu seinem Arbeitsplatz gebracht. Dann war die Überraschung groß:

    Die Schule, an der er arbeiten sollte, war von der Königin von Ramnad gegründet worden, lag auf dem Palastgrundstück und das Königspaar selbst waren seine Gasteltern!
    König und Königin, beide Ende dreißig, waren sehr interessiert, aufgeschlossen und hilfsbereit. Vor allem waren sie sehr liberal in ihrer Weltanschauung, was Philip am meisten überraschte. Er hätte mit sehr konservativen Monarchen gerechnet, die geistig noch in den glorreichen alten Zeiten leben.

    An den Wochenenden packte er seinen Rucksack und zog auf eigene Faust quer durchs Land. Jedes zweite Wochenende veranstaltet die Organisation auf freiwilliger Basis ein Treffen an einem sehenswerten Ort, wo man andere Freiwillige in Indien aus der ganzen Welt treffen kann. Dort traf er Felix aus München, der in einem Waisenhaus arbeitete. Die beiden haben, zurück in Deutschland, bis heute regen Kontakt gehalten.

    Über seine Zeit in Indien führte Philip ein Onlinetagebuch, was auf der "philip radlanski website" zu lesen ist.

    Philip im Palast

    Online Tagebuch mit ca. 300 Fotos
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    Zurück in Deutschland hatte er natürlich viel zu erzählen. Doch er hatte nicht damit gerechnet, dass das Interesse der Leute so groß sein würde, dass sie ihn sogar in seine ehemalige Schule einladen würden um dort vor versammelter Schulgemeinde einen Dia-Vortrag zu halten.

    Er hatte zwar an die 1500 Fotos in Indien geschossen, aber ihm war klar: Ein Film sagt mehr als 1000 Fotos.
    Um wirklich zu erfahren, wie es in Indien ist, am Palast aber auch beim Reisen, muss man am besten selbst dorthin reisen oder sich wenigstens eine gute Doku ansehen. Aber es gab keine Doku von dem Palast - wie auch?

    Schon lange wollten Ralf und Philip, Vater und Sohn, zusammen verreisen und irgendetwas besonderes erleben. Sie hatten die Idee, nochmal nach Süd-Indien zu fliegen, diesmal auf eigene Faust. Die freie Zeit von Philips Vater war knapp bemessen, er hatte nur 14 freie Tage irgendwann im Sommer. Besser als gar nichts (und lange genug, wie sie später herausfanden), und so flogen sie Ende Juli 2005 nochmals nach Indien.

Die Umsetzung
    Philip flog mit der Absicht nach Indien, einen Dokumentarfilm zu drehen. "Wir in Indien" ist also kein Film, der aus Schnipseln nachträglich zusammengeschustert wurde, sondern Philip filmte bewusst, um Material für die Dokumentation zu sammeln.

    Filmen in Madurai

    Mit einer digitalen Sony Handycam unterwegs wurde also zwölf Tage lang gefilmt. In Madurai entstehen faszinierende Aufnahmen bei Sonnenaufgang, die eindrücklich das Erwachen einer indischen Großstadt illustrieren.
    Am meisten Band wurde natürlich auf das zweite Reiseziel verwendet: Der Palast von Ramnad. Hier führten Ralf und Philip Interviews mit dem Königspaar, ließen sich den Palast von der Königin zeigen und erklären, machten Ausflüge im königlichen Jeep, besuchten die Schule und ließen sich von einem indischen Friseur die Haare schneiden.
    Schließlich bereisten sie noch Varkala an der Westküste und Pondicherry an der Ostküste. Dafür waren sie insgesamt mehr als 30 Stunden im Zug unterwegs.

    Mehr zu den einzelnen Reisezielen ist unter dem Menupunkt "Die Schauplätze" zu finden.

Die Nachbearbeitung
    Zurück in Berlin wurde das aufgenommene Material bearbeitet.
    Beim Ansehen entschied Philip, was in den Film kommt und was weggelassen werden muss. Schließlich sollte der Film nicht länger als eine Stunde werden. Bevor ein Film geschnitten wird, braucht man eine Kommentarspur, an der sich die Bilder orientieren können.
    Für diesen Kommentar musste zunächat ein Konzept erstellt werden. Philip nahm sich in den Weihnachtsferien die Zeit und es entstanden 15 Seiten Text. Zusammen mit Ralf betreibt er ein kleines Tonstudio (redkeystudios.com), in dem die beiden Musik schreiben, aufnehmen und produzieren. Die Technik dieses Studios konnte Philip nutzen, um den Kommentar zu sprechen. Danach konnte mit dem Schneiden begonnen werden. Schließlich wurden noch die Gesprächsszenen mit Untertiteln versehen und der Film an einigen wenigen Szenen mit Musik unterlegt.
    Mitte Januar 2006 war es geschafft: "Wir in Indien" ist endlich in seiner Endform auf DVD gepresst und steckt in einem schönen DVD-Cover.


    Philip beim Sprechen des Kommentars